Februar 13, 2009

Die eigenen Wurzeln ausgraben (2)

Im zweiten Teil der Serie Ahnenforschung geht es um Recherchetipps:

Bei der Zeitreise in die Vergangenheit der eigenen Vorfahren stößt man recht bald an eine Grenze: Sind die Namen und Daten der eigenen Eltern meist präsent, so beginnen die Schwierigkeiten oft schon bei den Großeltern. Die Geschwister der Großeltern sind für den eigenen Stammbaum zwar vordergründig unrelevant, aber wer sich länger mit dem Thema beschäftigt, wird auch daran nicht vorbeikommen:  zu groß ist die Neugier auf das Umfeld, das z. B. über Zeitungsartikel und Berufsbezeichnungen erschlossen werden kann. Und manchmal erfährt man auch erst über diverse Umwege weitere Informationen über die eigenen Ahnen.

Aber wo bekommt man nun die fehlenden Daten her? Als erstes sollten die eigenen Familienstammbücher zusammengesucht werden. Manchmal wurden bei Beerdigungen auch sogenannte Totenzettel an die Angehörigen und Freunde verteilt. Mit ein wenig Glück ist sogar ein kurzer Lebenslauf darauf abgedruckt. Aber dann werden die Nachforschungen aufwändiger: Falls Ariernachweise vorhanden sind, können sie auch genutzt werden. Daten bis Ende des 19. Jahrhunderts gibt es auf den Standesämtern.

Wer noch weiter zurückgehen will, kommt an alten Kirchenbüchern nicht vorbei. Auszüge davon bekommt man gegen eine geringe Gebühr bei den entsprechenden Pfarrämtern. Neben Tauf-, Heirats- und Begräbnisdaten stehen auch oft der Beruf und die Todesursache dabei. Wenn der Herkunftsort der Eltern unbekannt ist, können hier die Daten der Taufpaten weiterhelfen, sie werden häufig mit angegeben.

Kommt man mit diesen Daten nicht weiter, können manchmal auch Sekundärquellen helfen, so z. B. Adressbücher. Für Göppingen und Umgebung gibt es ab 1890 Adressbücher, für Geislingen und Umgebung ab 1911. Aber auch Vereine oder Arbeitskreise für Familien- und Ahnenforschung können weiter helfen, so z. B. in Geislingen oder in Aalen.

Mit etwas Glück gibt es für einen Ort auch ein Ortssippenbuch. Hier sind sämtliche Familien und Einzelpersonen mit ihren Lebensdaten aufgeführt, die in der Gemeinde durch Quellen nachweisbar lebten. Falls so ein Ortssippenbuch vorhanden ist, kann man sich viel Mühe sparen, da die Daten der Kirchenbücher hierin schon enthalten sind, ebenso die Verwandtschaftsbeziehungen der Einwohner. Kuchen hat bereits ein solches Ortssippenbuch, das von 1559-1900 reicht.

Wer sich nicht soviel Mühe machen und erstmal den einfach Weg versuchen will, sollte es übers Internet probieren: die Mormonen, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzen Tage, unterhalten das größte Ahnenforschungs-Genealogie-Archiv der Welt. In Salt Lake City (Utha, USA) stehen für jedermann kostenlos einsehbar Millionen von Daten aus Geburts-, Heirats-, Sterbe- und sonstigen Urkunden zur Verfügung. Und über die Internetseite www.familysearch.com können viele der Daten auch online abgerufen werden.

Eine andere praktische Hilfe im Internet ist auch die Seite www.ellisisland.org – hier kann man nach einer kurzen und kostenlosen Registrierung feststellen, wer in New York mit Einwandererschiffen ankam und ob sich evtl. die Namen von Verwandten auf den online einsehbaren Originallisten finden lassen.

Welchen Weg man auch zuerst einschlägt: Ahnenforschung ist eine spannende Angelegenheit und macht Lust auf mehr!

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Die eigenen Wurzeln ausgraben. Ahnenforschung: Recherchetipps.” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 01, 2009, S. 21.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Dezember 29, 2008

Die eigenen Wurzeln ausgraben (1)

Die neue prisma-Serie beschäftigt sich mit Ahnenforschung, auch Genealogie genannt. In dieser und den folgenden Ausgaben erfährt derjenige, der sich mit dem Gedanken trägt, Spurensuche in der Vergangenheit zu betreiben und vielleicht einen Familienstammbaum erstellen möchte, allerlei Wissenswertes. Den Anfang machen Tipps für eine gewissenhafte Vorbereitung.

Nicht nur Pflanzen haben Wurzeln – auch immer mehr Menschen interessieren sich für ihre Wurzeln, für ihre Vergangenheit und damit auch für ihre Vorfahren. Eine Reise in die Vergangenheit ist immer auch eine Art Abenteuer, spannend und ungewiss. Denn wer hat nicht schon mal insgeheim an die reiche, kinderlose (und bisher natürlich noch unbekannte) Erbtante aus Amerika gedacht? Kommt man aus einer ehemaligen Adelsfamilie, der durch irgendwelche Schicksalsschläge das blaue Blut abgesprochen wurde? Bin ich eigentlich eine Prinzessin? Oder ein Graf? Oder war einer der Vorfahren gar ein Mörder?

Ahnenforschung gestaltet sich oft schwieriger, als wenn die Familie adlig ist. Früher wurde eine Ahnentafel als Nachweis der vornehmen Geburt benötigt, das heißt, dass mindestens acht adelige Vorfahren einer Generation vorhanden sein mussten. Somit gibt es viele adlige Stammbäume, die allerdings auch oftmals beschönigt wurden. Der einfache Bürger hatte dagegen keinen Stammbaum, und daher ist manchmal fast schon detektivischer Spürsinn für die Ahnenforscher heute nötig.

Bereits am Anfang stellt sich die Frage: Wohin mit den ganzen Daten? Während dem Datensammeln sollte man gleich von Anfang an strukturiert vorgehen, hier helfen Programme, die Daten und Bilder verwalten und grafisch aufbereiten können, weiter. Neben kostenpflichtigen Programmen wie z. B. dem FamilyTreeMaker (Windows) und MacFamilyTree (Mac) gibt es diverse kostenlose Programme, z. B. bei ahnenblatt.de oder PAF (Personal Ancestral File) bei familysearch.org, ein Programm der Mormonen (Handbuch auch auf deutsch).

Angefangen mit dem Sammeln von Daten wird im familiären Umfeld: Zu Beginn wird alles  gesammelt, was man über den Namen oder über die eigene Familie erfahren kann. Vor allem ältere Familienmitglieder sind hier sehr hilfreich, sie wissen oft noch Namen und Daten von Familienmitgliedern, die bereits lange verstorben sind. Mit etwas Glück gibt es auch noch verblichene Fotos, die so zugeordnet werden können. Auch Ariernachweise können – falls vorhanden – bei der Ahnenforschung hilfreich sein. Wichtig bei der Bestandsaufnahme sind Namen (auch Geburtsnamen), Geburtsdaten (Datum, Ort und auch die Namen der Eltern), Beruf, Religionszugehörigkeit, Hochzeiten (und evtl. Scheidungen, 2. Ehe,…), die Namen aller Kinder (und der Taufpaten) sowie die Sterbedaten (Datum, Ort, wo beerdigt). Können die Daten nicht durch schriftliche Dokumente belegt werden, sollte man sie besonders kennzeichnen und später nochmals genauer recherchieren. Es wäre schade, wenn durch eine ungenaue Erinnerung in einem falschen Familienzweig weitergeforscht werden würde.

Ahnenforschung ist nicht nur eine Sache von Wochen oder von Monaten; je tiefer man in der Vergangenheit gräbt, um so mehr Daten werden auftauchen. Aber der Aufwand lohnt sich: mit etwas Glück erfährt man nicht nur die Lebensdaten sondern auch ein bisschen mehr über die Vorfahren. Randnotizen, Zeitungsartikel, Anekdoten, vielleicht sogar Bilder können auftauchen. Oder über ein paar verschlungene Wege doch noch die Verwandtschaft zu der reichen Erbtante in Amerika.

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Die eigenen Wurzeln ausgraben. Immer mehr Menschen betreiben Ahnenforschung.” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 06, 2008, S. 19.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

August 16, 2008

Wunderwelt der Wappen

Das Land Baden-Württemberg feierte 2007 sein 55-jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte unserer Region aber nur ein kurzer Augenblick. Mit dieser Serie dokumentiert prisma die Geschichte unseres Bundeslandes von der Eiszeit bis heute.

In der Verfassung des Landes Baden-Württemberg wurde 1953 festgelegt, dass die Landesfarben schwarz und gold sind. Das Landeswappen selbst jedoch wurde 1954 durch ein Gesetz bestimmt: der Landtag entschied sich für ein Landeswappen, das die Tradition der früheren Länder und Landesteile bewahren, aber auch die Einheit des noch jungen Landes symbolisieren sollte. So erinnert das Wappen an die hochmittelalterliche Epoche, als die Staufer Herrscher über das Herzogtum Schwaben waren und von hier aus die Geschicke des Reiches lenkten.

Der wesentliche Bestandteil eines Wappens ist der (nicht das!) Schild. Im goldenen Schild lebt das Wappen des staufischen Herzogtums Schwaben weiter, dort sind drei schreitende schwarze Löwen mit roten Zungen zu sehen. Gestützt wird der goldene Schild von einem Hirsch (Württemberg) und dem Fabeltier Greif (Baden). Sie stehen symbolisch als Hüter und Wächter des Landes Baden-Württemberg und seiner Verfassung. In dem Schildhaupt sind sechs Wappen zu sehen. Diese werden in der Heraldik – wie die Wappenkunde auch genannt wird – nicht von vorne durchgezählt, sondern es wird in der Mitte begonnen und in so genannter springender Reihenfolge gezählt. Die sechs Wappen stehen für historisch wichtige südwestdeutsche Territorien.

Die korrekte Beschreibung, also was genau auf einem Wappen zu sehen ist, nennt man Blasonierung. Die beiden mittleren Wappen fallen auf, sie ragen über den Schildrand hinaus. Das linke in der Mitte ist das badische Wappen, in Gold ein roter Schrägbalken. Direkt rechts daneben steht das württembergische Wappen, in Gold drei übereinander liegende schwarze Hirschstangen. Dann geht es links vom badischen Wappen weiter: dort ist das „Zollernschild“, das Wappen von Hohenzollern, zu sehen, von Silber und Schwarz geviert. Rechts neben dem württembergischen Wappen folgt das der Kurpfalz, ein in Schwarz rotgekrönter goldener Löwe. Ganz links ist der rot-silber zickzack geteilte „Fränkische Rechen“ zu sehen. Er steht für das Herzogtum Ostfranken, in dem sich staufische Hausmachtsgebiete befanden. Ganz rechts in Rot ein silberner Balken: Der „Bindenschild“ Österreichs steht für die vorderösterreichischen Lande im Breisgau, an der oberen Donau, am oberen Neckar, in Oberschwaben und im Westallgäu.

Es ist übrigens Gold und nicht Gelb, weil es in der Heraldik nur vier farbstarke Grundtöne gibt: die echten Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz. Sie treten im Wechsel mit den beiden Metallen Gold und Silber auf, die auch für Gelb und Weiß stehen können. So verlangt eine der ältesten Grundregeln, dass Wappen ohne besondere Gründe nicht mehr, aber auch nicht weniger als zwei Grundfarben aufweisen und zwar je eine echte Farbe und ein Metall.

Auch das Wappen des Landkreises Göppingen hält sich daran: In Gold eine schwarze Hirschstange und ein rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Löwe. Der Löwe verweist auf die geschichtliche Beziehung zu den Staufern, die Hirschstange als württembergische Wappenfigur auf den Übergang des staufischen Besitzes an Württemberg.
Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Wunderwelt der Wappen. Geheimnisse der Heraldik auf einen Blick. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 04, 2008, S. 16.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Mai 6, 2008

Die Entstehung von Baden-Württemberg nach 1945

Das Land Baden-Württemberg feierte 2007 sein 55-jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte unserer Region aber nur ein kurzer Augenblick. Mit dieser Serie dokumentiert prisma die Geschichte unseres Bundeslandes von der Eiszeit bis heute.

Nach 1945 wurde der deutsche Südwesten zwischen den USA und Frankreich aufgeteilt. Entscheidend für die USA war die Autobahnverbindung Karlsruhe-Stuttgart-Ulm, um die Versorgung zwischen dem Hafen in Bremen über Frankfurt/Main und München aufrecht zu erhalten, und so verlief die Grenze zwischen den beiden Besatzungszonen mitten durch Baden und Württemberg entlang der heutigen A8.

Aus den traditionsreichen Ländern Baden, Württemberg und preußisch Hohenzollern entstand einerseits unter den Amerikanern in Nordbaden und Nordwürttemberg der Übergangsstaat Württemberg-Baden mit der Hauptstadt Stuttgart. Andererseits entwickelte sich unter den Franzosen aus dem Süden Württembergs und Hohenzollern zum einen das Land Württemberg-Hohenzollern mit der Hauptstadt Tübingen und zum anderen aus dem südbadischen Landesteil das Land Baden mit der Metropole Freiburg.

Diese drei Länder, die ohne Rücksicht auf soziale Verhältnisse willkürlich geteilt wurden, wollten weder die Regierung noch die Bevölkerung auf Dauer. In Württ.-Baden und Württ.-Hohenzollern sprach man sich rasch für einen großen Südweststaat aus, um u. a. den Südwesten als Wirtschaftsraum zu stärken, während (Süd-)Baden die Wiederherstellung der beiden südlichen Länder betrieb – hier hatte man Angst vor einem „schwäbischen Imperialismus“. Das größtenteils katholische Südbaden misstraute dem protestantischen Württemberg mit der Hauptstadt Stuttgart, das um Nordbaden (protestantisch-badisch-kurpfälzische Gebiete) erweitert worden war. Dort wollte man sich nicht von einer Regierung in Freiburg dominieren lassen, die als katholisch-hinterwäldlerisch wahrgenommen wurde. Württ.-Hohenzollern war daher der Mittler: Mit Oberschwaben und Hohenzollern mehrheitlich katholisch, aber verbunden mit dem protestantischen Raum um Tübingen, Reutlingen und Balingen.

Verhandlungen auf dem Neuffen im August 1948 scheiterten vor allem wegen schul- und kulturpolitischer Differenzen sowie wegen der ungeklärten Frage des Abstimmungsmodi für die vorgesehene Volksabstimmung. Mithilfe einer Sonderregelung im Grundgesetz (Art. 118) und eines darauf beruhenden Bundesgesetzes war dann der Weg für die Volksabstimmung und die Südweststaatlösung frei. 1950 wurde eine Probeabstimmung ohne bindenden Charakter durchgeführt, und während sich die Württemberger und die Nordbadener für den Südweststaat aussprachen, lehnten ihn die Südbadener ab.

Da sich die Regierungschefs nicht über den endgültigen Abstimmungsmodus einigen konnten, musste der Bund die Initiative ergreifen. 1951 beschloss der Bundestag ein Neugliederungsgesetz: Wenn in drei der vier zu bildenden Abstimmungsbezirke (Nordbaden, Südbaden, Nordwürtt., Südwürtt.-Hohenzollern) die Bevölkerung mehrheitlich für die Bildung eines Südweststaates stimmt, kommt er zustande.

Die Volksabstimmung 1951 brachte eine insgesamte Mehrheit von 69,7 % – nur in Südbaden wurde die Mehrheit nicht erreicht. Die gesetzlichen Bedingungen waren damit aber erfüllt und das Land Baden-Württemberg war geboren. 1970 kam es in Baden zu einer erneuten Abstimmung, und knapp 82 % stimmten für den Verbleib im „Ländle“.

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Die Entstehung von Baden-Württemberg nach 1945. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 02, 2008, S. 17.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Februar 16, 2008

Ein Kaiser zu Besuch in Adelberg

Das Land Baden-Württemberg feierte 2007 sein 55-jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte unserer Region aber nur ein kurzer Augenblick. Mit dieser Serie dokumentiert prisma die Geschichte unseres Bundeslandes von der Eiszeit bis heute.

Über die Kelten und Römer sind wir mittlerweile schon bis zu den Staufern vorgedrungen. Und die haben einige Spuren in unserem Landkreis hinterlassen, wie z. B. die Burgruine auf dem Hohenstaufen. Diese einstmals sicher imposante Ritterburg aus dem 11. Jahrhundert wird aber auf einen Schlag im 16. Jahrhundert während des Bauernaufstandes zerstört.

Auch in Adelberg sind die Staufer zu Besuch: Im Kloster wird der spätere König Philipp von Schwaben, ein Sohn Kaiser Barbarossas, unterrichtet. Mindestens ein Besuch des Kaisers ist belegt. In die Regierungszeit König Philipps von Schwaben fällt die Erbauung des Wäscherschlosses bei Wäschenbeuren. Aber der Sage nach hat Barbarossa eine Geliebte, die Wäscherin ist. Ihr schenkt Barbarossa die Burg, auf der sie dann wohnt und sie in “Wäscherschloss” umbenennt. Eine andere Erklärung ist, dass der Namensgeber der Burg Ritter Konrad von Staufen, genannt der Wascher, ist.

Ende des 13. Jahrhunderts ist die Ära der Staufer zu Ende und das Gebiet der Staufer im Süden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wie das Kaiserreich genannt wird, teilt sich in vier Territorialherren auf: die Markgrafen von Baden, die von den Zähringern abstammen, dann die rheinische Pfalzgrafschaft, als drittes die österreichischen Habsburger sowie die Württemberger .

Von dem Ende der Staufer profitiert in unserer Gegend vor allem das Geschlecht der Württemberger. Sie erwerben das Kloster in Adelberg, und während dieser Zeit erlebt es seine glanzvollste Zeit: es wird zur Abtei erhoben und die Ulrichskapelle wird neu erbaut. Die Fugger und sogar Kaiser Karl V. leihen sich Geld von dem Kloster, das dann allerdings während des Bauernaufstandes stark zerstört wird. Gegen Herzog Ulrich von Württemberg, auf die Seite der Bauern, stellt sich Götz von Berlichingen während des Bauernaufstandes; später wird er für einige Zeit in Heilbronn gefangen gesetzt. Goethe legt ihm das so genannte Götz-Zitat in den Mund, das als „Schwäbischer Gruß“ weithin bekannt wird: „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“

Ansonsten geht es gesittet zu am Ende des Mittelalters, im 14. und 15. Jahrhundert werden Universitäten in Freiburg, Heidelberg und Tübingen gegründet und es wird mit dem Bau des Ulmer Münsters begonnen. Herzog Ulrich führt die Reformation in Form der lutherischen Lehre in Württemberg ein. Sein Sohn, Herzog Christoph, lässt ab 1557 das Göppinger Stadtschloss bauen – u. a. mit Steinen der zerstörten Burg Hohenstaufen. Württemberg wird zum klassischen Beispiel der bäuerlichen Realteilung – der gesamte Besitz wird im Erbfall zwischen allen Geschwistern gleichmäßig aufgeteilt. Die Folge daraus ist, dass zwar jeder etwas hat – aber wenig. Die eigene Situation lässt sich nur durch Einfallsreichtum und Innovation verbessern, nicht umsonst gibt es viele Erfinder wie z. B. Gottlieb Daimler, Carl Benz, Ferdinand Graf Zeppelin, Robert Bosch,… . Bei der Realteilung kann es sich niemand leisten, verschwenderisch zu sein – und vielleicht hat ja die viel gerühmte Sparsamkeit der Schwaben hier ihren Ursprung?

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Ein Kaiser zu Besuch in Adelberg. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 01, 2008, S. 19.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Dezember 6, 2007

Das dunkle Mittelalter

Das Land Baden-Württemberg feiert dieses Jahr sein 55jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte, die die Region vorzuweisen hat, aber nur ein kurzer Augenblick. Aber was war eigentlich davor?

Die Zeitreise zur Geschichte Baden-Württembergs führt uns heute weg von den Römern und tief ins dunkle Mittelalter hinein. Aber wie dunkel war das Mittelalter wirklich hier in der Gegend?

Nicht nur die Römer haben vor ca. 2.000 Jahren Spuren hinterlassen, es gab auch noch eine andere große Gruppe, deren Auswirkungen bis heute bei den meisten Einwohnern im Ländle zu hören ist: Die Alemannen.

Auch wenn sich die Badener heute manchmal als Alemannen bezeichnen um sich gegen die Schwaben abzugrenzen: Schwäbisch ist ein alemannischer Dialekt! Denn zu dem vermutlich im 3. Jahrhundert n. Ch. neu gebildeten Stamm der Alemannen gehören auch die Sueben, und von ihnen kann der Name „Schwaben“ abgeleitet werden.

Die Alemannen werden im Laufe der Jahrhunderte von den Franken immer weiter Richtung Bodensee und noch weiter südlich abgedrängt, was auch bis in die heutige Zeit Auswirkungen hat: während die -heim Endungen bei Ortsnamen lange Zeit als typisch für fränkische Gründungen angesehen wurden, galten -ingen Orte als typisch alemannisch. Neueste Forschungen stehen aber auf dem Standpunkt, dass die Endungen der Orte eine Zugehörigkeit signalisieren: bei –ingen ist es Personengruppen bezogen:  „Sigmaringen“ wäre z. B. „bei den Leuten des Sigmars“. Während die -heim Orte statt der Personengruppen bezogenen Benennung eine Wohnstätte bezogene Benennung bedeuten – denn „heim“ bedeutete ursprünglich so etwas wie ein Lager, die Heimat, der Wohnort oder eine Gruppensiedlung. „Holzheim“ könnte also z. B. das Lager oder der Ort sein, an dem es Holz gab. Unter römischem Einfluss hat sich bei den Franken -heim durchgesetzt, denn das Frankenreich reichte früher weit in römische Siedlungsgebiete hinein, daher war diese Art der Bennung beliebter als die Personen bezogene Benennung. Aber es gibt auch Beispiele, dass derselbe Ort gleichzeitig mit –heim und –ingen benannt wurde: Sigmarsheim parallel neben Sigmaringen.

Es gibt aber nicht nur neue Ortsgründungen, auch in der Gesellschaft beginnt sich einiges zu verändern: Zu Beginn des Mittelalters um 500 n. Ch. leben in den fruchtbarsten Siedlungen im heutigen Baden-Württemberg etwa 60.000 Menschen. Im 7. und 8. Jh. erfolgt die Christianisierung der Alemannen durch irische Missionare. Klöster wie z. B. Reichenau und St. Gallen werden gegründet. Ab 800 n. Ch. wird in der Landwirtschaft schon die Dreifelderwirtschaft eingeführt, und der Räderpflug mit Pflugschar ersetzt bereits den Hakenpflug, auch Wassermühlen sind vereinzelt im Einsatz. Die Menschen stellen nicht mehr nur Waren für den Eigenbedarf her, Märkte beginnen sich zu etablieren, Esslingen z. B. bekommt im Jahre 866 ein Marktprivileg.

Aus dem größten Teil des Gebietes Alamannien wird im 10. Jahrhundert das Herzogtum Schwaben, das bedeutend größer ist als das heutige Baden-Württemberg. Im Osten wird es vom Lech und im Westen von den Vogesen begrenzt; im Norden reicht es etwa bis Ellwangen, Bad Cannstatt und Calw und im Süden bis zum Gotthardpass. Kurz gesagt: Der Bodensee ist etwa in der Mitte des Herzogtums.

Im 11. Jahrhundert wird Graf Friedrich von Staufen der neue Herzog von Schwaben. Er lässt die Burg Hohenstaufen um 1070 erbauen, etwa 30 Jahre später gründet er außerdem das Kloster in Lorch. Es wird zum Hauskloster und fast 70 Jahre lang auch zur Grablege der Staufer. Bekannter ist allerdings der Enkel von Friedrich von Staufen: der spätere deutsch-römische König und Kaiser Friedrich I. – „Barbarossa“, der seinen Beinamen wegen seinem rot schimmernden Bart bekommt.

Ein häufiger Gast bei Barbarossa und damit zeitlich gleichzusetzen ist Graf Ludwig I. von Helfenstein – das Grafengeschlecht wurde nach der oberhalb von Geislingen/Steige gelegenen Burg Helfenstein benannt.

Mit dem Aufstieg der Staufer schwindet gleichzeitig aber auch die Wichtigkeit des Herzogtums Schwaben; und obwohl es offiziell erst Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst wird, ist es mit dem Ende der Staufer im 13. Jahrhundert nach ca. 350 Jahren politisch nicht mehr vorhanden.

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Das dunkle Mittelalter. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 06, 2007, S. 14.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Oktober 21, 2007

Von der Eiszeit bis zu den Römern

Das Land Baden-Württemberg feiert dieses Jahr sein 55jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte, die die Region vorzuweisen hat, aber nur ein kurzer Augenblick. Aber was war eigentlich davor?

Lange, bevor es Baden-Württemberg in der heutigen Form gab, gab es andere, bedeutende Ereignisse hier in der Gegend. Und viele Überbleibsel aus alten, längst vergangenen Zeiten, die hier gefunden wurden, haben weltweit für Aufsehen gesorgt.

Wenn wir mit der Zeitmaschine ungefähr 600.000 Jahre zurückgehen, begegnen wir einem Vorfahren des Neandertalers, dem „Homo heidelbergensis“. Dieser Urzeitmensch, von dem vor genau 100 Jahren ein Unterkiefer entdeckt wurde, lebte damals am Ur-Neckar, heute ist das die Gegend der Gemeinde Mauer im Rhein-Neckar-Kreis. Seit dieser bahnbrechenden Entdeckung hat sich auch das Bild über ihn stark gewandelt: wurde damals noch von affenartigen Wesen mit geringen Fähigkeiten gesprochen, so spricht man heute von Urmenschen, die Feuer und Speere gebrauchten.

Einige der ältesten menschlichen Kunstwerke, die bisher gefunden wurden, sind ein paar Jahre jünger: vor 35.000 Jahren wurden in der Vogelherdhöhle im Lonetal in der Nähe von Heidenheim einige Figuren aus Mammutelfenbein hergestellt. Nur knapp 5 cm groß ist die Darstellung eines Wildpferdes. Und vor wenigen Monaten erst wurde dort eine kleine Mammutplastik gefunden. Die Höhle war Rastplatz und Unterstand für die eiszeitlichen Menschen gewesen, und bis zu den Funden waren aus dieser Zeit nur Gebrauchsgegenstände, wie z. B. Speerspitzen, bekannt.

Das war bei den Kelten im ersten Jahrtausend v. Chr. schon etwas ganz anderes. Auf der Heuneburg bei Sigmaringen, wahrscheinlich einer der größten eisenzeitlichen Fürstensitze Süddeutschlands, wurden reichhaltige, zum Teil goldene Grabbeigaben gefunden.
Auch der Keltenfürst von Hochdorf hatte äußerst kunstvolle Grabbeigaben bei sich. So auch ein filigran gearbeitetes Trinkhorn, einen goldenen Halsreifen, und einen großen Kessel, der mit Löwen geschmückt wurde. Da man glaubte, dass die Fürsten über den Tod hinweg Macht besaßen, wurde den Gräbern häufig Kostbarkeiten beigegeben.

Als dann vor ca. 2000 Jahren die Römer kamen, änderte sich das Machtverhältnis. Hatten die Römer bereits unter Caesar begonnen, das Rheinland zu erobern, so eroberten sie unter Kaiser Augustus das Süddeutsche Alpenvorland bis zur Donau. Nachdem sie den Landzipfel zwischen Rhein und Donau, also unser heutiges Baden-Württemberg, in Besitz genommen hatten, verbanden sie die beiden Flüsse mit einem Grenzwall, dem Limes.

Einige Jahre später wurde dann eine weiter Grenze, der sogenannte Necker-Odenwald-Limes, gebaut. So standen z. B. bei Stuttgart-Bad Cannstatt und in Köngen Limeskastelle. In Köngen zweigte dann der Lautertal-Limes in Richtung Donnstetten bei Reutlingen ab.

Bis heute noch nicht ganz geklärt ist die Verbindung des Limes während der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. zwischen Cannstatt bzw. Köngen im Westen und Lorch im Osten. Möglich ist sowohl der Verlauf des Limes durch das Remstal als auch durch das Filstal.

Durch das Remstal verlief spätestens seit der Vorverlegung des Limes um 160 n. Chr. eine römische Straße; diese könnte aber auch schon einige Jahre früher existiert und so die Grenze des Imperiums markiert haben.

Für die Filstal-Theorie spricht der steinerne Ausbau des Kastells in Köngen, der sich für ein Kastell im Hinterland kaum gelohnt hätte. Außerdem würde es die Existenz des – bislang nicht datierten – Kastells bei Eislingen/Fils, das ja nahe bei Lorch ist, erklären. Das Kastell markierte wahrscheinlich die Grenze zwischen den Provinzen Obergermanien und Rätien; bislang ist nicht bekannt, welche Einheit dort lag und wie der lateinische Name dafür war.

Wer jetzt Lust auf mehr Vergangenheit bekommen hat, der sollte in Aalen das größte Römermuseum Deutschlands besuchen. Für Kinder stehen sogar römische Kleidung wie eine Tunika oder eine Toga zum Anprobieren bereit!

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Von der Eiszeit bis zu den Römern. Auftakt zur Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 05, 2007, S. 21.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Januar 6, 2006

Was hat eine Papiertüte mit Rhythmus zu tun?

Auf den ersten Blick eigentlich gar nichts. Doch gerade in dieser Jahreszeit, die auch die fünfte genannt wird, haben schwäbische Papiertüten sogar ziemlich viel mit Rhythmus, lauter, schräger und stimmungsvoller Musik zu tun: Guggenmusik!

Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Guggenmusik bei uns völlig unbekannt war. Doch zum Anfang: Die Geschichte der Guggenmusik hat ihren Ursprung etwa um 1900 in der Schweiz. Von den größeren Städten hat sich die Guggenmusik in den folgenden Jahrzehnten auf den ländlicheren Teil und schließlich bis in den Süden Deutschlands ausgebreitet. Grundsätzlich werden zwei Stilrichtungen unterschieden: der Basler und der Züricher Stil.
Der Unterschied der beiden Richtungen besteht darin, dass bei der Basler Art hauptsächlich Nichtmusiker mit selbstgebauten oder alten Instrumenten musizieren, wobei bei der Züricher Art oftmals Musikvereine ihre Trachten gegen Kostüme eintauschen und mit Show und geballtem Rhythmus gekonnt schräge Musik abliefern.

Vor allem in Deutschland kann zwischen diesen beiden Stilen oft nicht mehr unterschieden werden, da eine Guggenmusik ohne Mitglieder, die zumindest teilweise ein Instrument spielen gelernt haben, nicht mehr konkurrenzfähig ist.

Zur Entstehung des Wortes Guggenmusik gibt es mehrere Geschichten. Eine besagt, dass das Wort Gugge von einer Papiertüte stammt, in die man hineinbläst; eine andere ordnet das Wort Gugge einem kleinen Kindertrompetchen zu. Bei uns im süddeutschen Raum kann Gugge aber wohl zweifellos der Papiertüte zugeordnet werden.

Die Musik mit den zum Teil selbst gebastelten Instrumenten ist sehr disharmonisch. Es wird absichtlich falsch gespielt, aber trotzdem ist die Grundmelodie herauszuhören. Rhythmus ist ein wichtiger Bestandteil dieser Musikrichtung, ebenso wie Rasseln und Sambapfeifen, die dem ganzen ein wenig von dem Flair des brasilianischen Karnevals geben.

Mittlerweile dürfen Guggen bei keiner Prunksitzung fehlen und marschieren meist nicht vor Mitternacht bei Faschingsveranstaltungen in Turn- und Festhallen ein. Auch bei Fasnetsumzügen verbreiten sie mit ihrer Musik gute Laune. Aber es ist nicht nur die Musik – auch die fantasievolle Verkleidung, die bei den meisten Gruppen alle paar Jahre erneuert wird, begeistert die Zuschauer.

Aber wie kam diese Musikrichtung überhaupt in unsere Gegend? Anfang der 70er Jahre zog ein junger Grafiker aus Heidenheim nach Basel, um die dortige Kunstgewerbeschule zu besuchen. Während dieser Zeit lernte er die Basler Fasnacht kennen. Als eine Guggenmusikgruppe einen Trommler suchte, bewarb sich der gelernte Schlagzeuger und Jazz-Musiker und bekam die Chance. Nun war er ganz vom “Guggenvirus” befallen.

Zurück in der Heimat zog es ihn nach Aalen; er erzählte Freunden von der Idee einer eigenen Guggenguppe und es dauerte nicht lange, da sah man die private Clique an einem lokalen Umzug teilnehmen. Hieraus entstanden dann die „Oschtalb-Ruassgugga“, die erste Guggengruppe der Region.

Angefangen im Landkreis Göppingen hat alles in Donzdorf. Animiert von der schrillen und schrägen Musik, den fantasievollen Kostümen und eigenwillig deformierten Instrumenten, hat sich im Jahre 1989 eine kleine Gruppe Hobbymusiker zusammengetan mit dem Ziel, die Fasnet in der Lautertalmetropole mit einer eigenen Guggenmusikkapelle zu ergänzen. Die Idee zur Gründung der „Donzdorf’r Noda-Biag’r“ ist – wie könnte es auch anders sein – in der Narrenmetropole Donzdorf auf fruchtbaren Boden gefallen, und just war die erste Guggamusik-Kapelle im Kreis Göppingen geboren.

Und die Guggoenoriginalität ist bei den Noda-Biag’r sehr stark ausgeprägt. Neben ein paar ausgebildeten Musikern, tonangebend als Melodieträger, sind der Rest, das heißt immerhin zwei Drittel der Gruppe, reine Hobbymusiker, also im wahrsten Sinne des Wortes sogenannte Notenlegastheniker. Trotz dieser besonderen Eigenschaft kann man die Musiktitel aber immer erkennen.

Der Guggenvirus blieb aber nicht lange nur in Donzdorf, er breitete sich rasch aus. Mittlerweile gibt es im ganzen Landkreis verteilt Guggengruppen, und es kommen immer wieder neue Gruppen hinzu, so dass die Fasnet auch in Zukunft von diesen bunten und fantasievoll verkleideten Musikern noch einiges zu hören bekommen wird!

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Was hat eine Papiertüte mit Rhythmus zu tun?” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 01, 2006, S. 16.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.