Das Land Baden-Württemberg feiert dieses Jahr sein 55jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit - verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte, die die Region vorzuweisen hat, aber nur ein kurzer Augenblick. Aber was war eigentlich davor?
Lange, bevor es Baden-Württemberg in der heutigen Form gab, gab es andere, bedeutende Ereignisse hier in der Gegend. Und viele Überbleibsel aus alten, längst vergangenen Zeiten, die hier gefunden wurden, haben weltweit für Aufsehen gesorgt.
Wenn wir mit der Zeitmaschine ungefähr 600.000 Jahre zurückgehen, begegnen wir einem Vorfahren des Neandertalers, dem „Homo heidelbergensis“. Dieser Urzeitmensch, von dem vor genau 100 Jahren ein Unterkiefer entdeckt wurde, lebte damals am Ur-Neckar, heute ist das die Gegend der Gemeinde Mauer im Rhein-Neckar-Kreis. Seit dieser bahnbrechenden Entdeckung hat sich auch das Bild über ihn stark gewandelt: wurde damals noch von affenartigen Wesen mit geringen Fähigkeiten gesprochen, so spricht man heute von Urmenschen, die Feuer und Speere gebrauchten.
Einige der ältesten menschlichen Kunstwerke, die bisher gefunden wurden, sind ein paar Jahre jünger: vor 35.000 Jahren wurden in der Vogelherdhöhle im Lonetal in der Nähe von Heidenheim einige Figuren aus Mammutelfenbein hergestellt. Nur knapp 5 cm groß ist die Darstellung eines Wildpferdes. Und vor wenigen Monaten erst wurde dort eine kleine Mammutplastik gefunden. Die Höhle war Rastplatz und Unterstand für die eiszeitlichen Menschen gewesen, und bis zu den Funden waren aus dieser Zeit nur Gebrauchsgegenstände, wie z. B. Speerspitzen, bekannt.
Das war bei den Kelten im ersten Jahrtausend v. Chr. schon etwas ganz anderes. Auf der Heuneburg bei Sigmaringen, wahrscheinlich einer der größten eisenzeitlichen Fürstensitze Süddeutschlands, wurden reichhaltige, zum Teil goldene Grabbeigaben gefunden.
Auch der Keltenfürst von Hochdorf hatte äußerst kunstvolle Grabbeigaben bei sich. So auch ein filigran gearbeitetes Trinkhorn, einen goldenen Halsreifen, und einen großen Kessel, der mit Löwen geschmückt wurde. Da man glaubte, dass die Fürsten über den Tod hinweg Macht besaßen, wurde den Gräbern häufig Kostbarkeiten beigegeben.
Als dann vor ca. 2000 Jahren die Römer kamen, änderte sich das Machtverhältnis. Hatten die Römer bereits unter Caesar begonnen, das Rheinland zu erobern, so eroberten sie unter Kaiser Augustus das Süddeutsche Alpenvorland bis zur Donau. Nachdem sie den Landzipfel zwischen Rhein und Donau, also unser heutiges Baden-Württemberg, in Besitz genommen hatten, verbanden sie die beiden Flüsse mit einem Grenzwall, dem Limes.
Einige Jahre später wurde dann eine weiter Grenze, der sogenannte Necker-Odenwald-Limes, gebaut. So standen z. B. bei Stuttgart-Bad Cannstatt und in Köngen Limeskastelle. In Köngen zweigte dann der Lautertal-Limes in Richtung Donnstetten bei Reutlingen ab.
Bis heute noch nicht ganz geklärt ist die Verbindung des Limes während der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. zwischen Cannstatt bzw. Köngen im Westen und Lorch im Osten. Möglich ist sowohl der Verlauf des Limes durch das Remstal als auch durch das Filstal.
Durch das Remstal verlief spätestens seit der Vorverlegung des Limes um 160 n. Chr. eine römische Straße; diese könnte aber auch schon einige Jahre früher existiert und so die Grenze des Imperiums markiert haben.
Für die Filstal-Theorie spricht der steinerne Ausbau des Kastells in Köngen, der sich für ein Kastell im Hinterland kaum gelohnt hätte. Außerdem würde es die Existenz des - bislang nicht datierten – Kastells bei Eislingen/Fils, das ja nahe bei Lorch ist, erklären. Das Kastell markierte wahrscheinlich die Grenze zwischen den Provinzen Obergermanien und Rätien; bislang ist nicht bekannt, welche Einheit dort lag und wie der lateinische Name dafür war.
Wer jetzt Lust auf mehr Vergangenheit bekommen hat, der sollte in Aalen das größte Römermuseum Deutschlands besuchen. Für Kinder stehen sogar römische Kleidung wie eine Tunika oder eine Toga zum Anprobieren bereit!
Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Von der Eiszeit bis zu den Römern. Auftakt zur Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma - Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 05, 2007, S. 21.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.
©Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Artikels darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Eine Antwort hinterlassen