Das Land Baden-Württemberg feiert dieses Jahr sein 55jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte, die die Region vorzuweisen hat, aber nur ein kurzer Augenblick. Aber was war eigentlich davor?
Die Zeitreise zur Geschichte Baden-Württembergs führt uns heute weg von den Römern und tief ins dunkle Mittelalter hinein. Aber wie dunkel war das Mittelalter wirklich hier in der Gegend?
Nicht nur die Römer haben vor ca. 2.000 Jahren Spuren hinterlassen, es gab auch noch eine andere große Gruppe, deren Auswirkungen bis heute bei den meisten Einwohnern im Ländle zu hören ist: Die Alemannen.
Auch wenn sich die Badener heute manchmal als Alemannen bezeichnen um sich gegen die Schwaben abzugrenzen: Schwäbisch ist ein alemannischer Dialekt! Denn zu dem vermutlich im 3. Jahrhundert n. Ch. neu gebildeten Stamm der Alemannen gehören auch die Sueben, und von ihnen kann der Name „Schwaben“ abgeleitet werden.
Die Alemannen werden im Laufe der Jahrhunderte von den Franken immer weiter Richtung Bodensee und noch weiter südlich abgedrängt, was auch bis in die heutige Zeit Auswirkungen hat: während die -heim Endungen bei Ortsnamen lange Zeit als typisch für fränkische Gründungen angesehen wurden, galten -ingen Orte als typisch alemannisch. Neueste Forschungen stehen aber auf dem Standpunkt, dass die Endungen der Orte eine Zugehörigkeit signalisieren: bei –ingen ist es Personengruppen bezogen: „Sigmaringen“ wäre z. B. „bei den Leuten des Sigmars“. Während die -heim Orte statt der Personengruppen bezogenen Benennung eine Wohnstätte bezogene Benennung bedeuten – denn „heim“ bedeutete ursprünglich so etwas wie ein Lager, die Heimat, der Wohnort oder eine Gruppensiedlung. „Holzheim“ könnte also z. B. das Lager oder der Ort sein, an dem es Holz gab. Unter römischem Einfluss hat sich bei den Franken -heim durchgesetzt, denn das Frankenreich reichte früher weit in römische Siedlungsgebiete hinein, daher war diese Art der Bennung beliebter als die Personen bezogene Benennung. Aber es gibt auch Beispiele, dass derselbe Ort gleichzeitig mit –heim und –ingen benannt wurde: Sigmarsheim parallel neben Sigmaringen.
Es gibt aber nicht nur neue Ortsgründungen, auch in der Gesellschaft beginnt sich einiges zu verändern: Zu Beginn des Mittelalters um 500 n. Ch. leben in den fruchtbarsten Siedlungen im heutigen Baden-Württemberg etwa 60.000 Menschen. Im 7. und 8. Jh. erfolgt die Christianisierung der Alemannen durch irische Missionare. Klöster wie z. B. Reichenau und St. Gallen werden gegründet. Ab 800 n. Ch. wird in der Landwirtschaft schon die Dreifelderwirtschaft eingeführt, und der Räderpflug mit Pflugschar ersetzt bereits den Hakenpflug, auch Wassermühlen sind vereinzelt im Einsatz. Die Menschen stellen nicht mehr nur Waren für den Eigenbedarf her, Märkte beginnen sich zu etablieren, Esslingen z. B. bekommt im Jahre 866 ein Marktprivileg.
Aus dem größten Teil des Gebietes Alamannien wird im 10. Jahrhundert das Herzogtum Schwaben, das bedeutend größer ist als das heutige Baden-Württemberg. Im Osten wird es vom Lech und im Westen von den Vogesen begrenzt; im Norden reicht es etwa bis Ellwangen, Bad Cannstatt und Calw und im Süden bis zum Gotthardpass. Kurz gesagt: Der Bodensee ist etwa in der Mitte des Herzogtums.
Im 11. Jahrhundert wird Graf Friedrich von Staufen der neue Herzog von Schwaben. Er lässt die Burg Hohenstaufen um 1070 erbauen, etwa 30 Jahre später gründet er außerdem das Kloster in Lorch. Es wird zum Hauskloster und fast 70 Jahre lang auch zur Grablege der Staufer. Bekannter ist allerdings der Enkel von Friedrich von Staufen: der spätere deutsch-römische König und Kaiser Friedrich I. – „Barbarossa“, der seinen Beinamen wegen seinem rot schimmernden Bart bekommt.
Ein häufiger Gast bei Barbarossa und damit zeitlich gleichzusetzen ist Graf Ludwig I. von Helfenstein – das Grafengeschlecht wurde nach der oberhalb von Geislingen/Steige gelegenen Burg Helfenstein benannt.
Mit dem Aufstieg der Staufer schwindet gleichzeitig aber auch die Wichtigkeit des Herzogtums Schwaben; und obwohl es offiziell erst Anfang des 19. Jahrhunderts aufgelöst wird, ist es mit dem Ende der Staufer im 13. Jahrhundert nach ca. 350 Jahren politisch nicht mehr vorhanden.
Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Das dunkle Mittelalter. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 06, 2007, S. 14.
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