Das Land Baden-Württemberg feierte 2007 sein 55-jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte unserer Region aber nur ein kurzer Augenblick. Mit dieser Serie dokumentiert prisma die Geschichte unseres Bundeslandes von der Eiszeit bis heute.
Über die Kelten und Römer sind wir mittlerweile schon bis zu den Staufern vorgedrungen. Und die haben einige Spuren in unserem Landkreis hinterlassen, wie z. B. die Burgruine auf dem Hohenstaufen. Diese einstmals sicher imposante Ritterburg aus dem 11. Jahrhundert wird aber auf einen Schlag im 16. Jahrhundert während des Bauernaufstandes zerstört.
Auch in Adelberg sind die Staufer zu Besuch: Im Kloster wird der spätere König Philipp von Schwaben, ein Sohn Kaiser Barbarossas, unterrichtet. Mindestens ein Besuch des Kaisers ist belegt. In die Regierungszeit König Philipps von Schwaben fällt die Erbauung des Wäscherschlosses bei Wäschenbeuren. Aber der Sage nach hat Barbarossa eine Geliebte, die Wäscherin ist. Ihr schenkt Barbarossa die Burg, auf der sie dann wohnt und sie in “Wäscherschloss” umbenennt. Eine andere Erklärung ist, dass der Namensgeber der Burg Ritter Konrad von Staufen, genannt der Wascher, ist.
Ende des 13. Jahrhunderts ist die Ära der Staufer zu Ende und das Gebiet der Staufer im Süden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, wie das Kaiserreich genannt wird, teilt sich in vier Territorialherren auf: die Markgrafen von Baden, die von den Zähringern abstammen, dann die rheinische Pfalzgrafschaft, als drittes die österreichischen Habsburger sowie die Württemberger .
Von dem Ende der Staufer profitiert in unserer Gegend vor allem das Geschlecht der Württemberger. Sie erwerben das Kloster in Adelberg, und während dieser Zeit erlebt es seine glanzvollste Zeit: es wird zur Abtei erhoben und die Ulrichskapelle wird neu erbaut. Die Fugger und sogar Kaiser Karl V. leihen sich Geld von dem Kloster, das dann allerdings während des Bauernaufstandes stark zerstört wird. Gegen Herzog Ulrich von Württemberg, auf die Seite der Bauern, stellt sich Götz von Berlichingen während des Bauernaufstandes; später wird er für einige Zeit in Heilbronn gefangen gesetzt. Goethe legt ihm das so genannte Götz-Zitat in den Mund, das als „Schwäbischer Gruß“ weithin bekannt wird: „Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“
Ansonsten geht es gesittet zu am Ende des Mittelalters, im 14. und 15. Jahrhundert werden Universitäten in Freiburg, Heidelberg und Tübingen gegründet und es wird mit dem Bau des Ulmer Münsters begonnen. Herzog Ulrich führt die Reformation in Form der lutherischen Lehre in Württemberg ein. Sein Sohn, Herzog Christoph, lässt ab 1557 das Göppinger Stadtschloss bauen – u. a. mit Steinen der zerstörten Burg Hohenstaufen. Württemberg wird zum klassischen Beispiel der bäuerlichen Realteilung – der gesamte Besitz wird im Erbfall zwischen allen Geschwistern gleichmäßig aufgeteilt. Die Folge daraus ist, dass zwar jeder etwas hat – aber wenig. Die eigene Situation lässt sich nur durch Einfallsreichtum und Innovation verbessern, nicht umsonst gibt es viele Erfinder wie z. B. Gottlieb Daimler, Carl Benz, Ferdinand Graf Zeppelin, Robert Bosch,… . Bei der Realteilung kann es sich niemand leisten, verschwenderisch zu sein – und vielleicht hat ja die viel gerühmte Sparsamkeit der Schwaben hier ihren Ursprung?
Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Ein Kaiser zu Besuch in Adelberg. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 01, 2008, S. 19.
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