August 16, 2008...9:02

Wunderwelt der Wappen

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Das Land Baden-Württemberg feierte 2007 sein 55-jähriges Bestehen. Eigentlich eine lange Zeit – verglichen mit der abwechslungsreichen Geschichte unserer Region aber nur ein kurzer Augenblick. Mit dieser Serie dokumentiert prisma die Geschichte unseres Bundeslandes von der Eiszeit bis heute.

In der Verfassung des Landes Baden-Württemberg wurde 1953 festgelegt, dass die Landesfarben schwarz und gold sind. Das Landeswappen selbst jedoch wurde 1954 durch ein Gesetz bestimmt: der Landtag entschied sich für ein Landeswappen, das die Tradition der früheren Länder und Landesteile bewahren, aber auch die Einheit des noch jungen Landes symbolisieren sollte. So erinnert das Wappen an die hochmittelalterliche Epoche, als die Staufer Herrscher über das Herzogtum Schwaben waren und von hier aus die Geschicke des Reiches lenkten.

Der wesentliche Bestandteil eines Wappens ist der (nicht das!) Schild. Im goldenen Schild lebt das Wappen des staufischen Herzogtums Schwaben weiter, dort sind drei schreitende schwarze Löwen mit roten Zungen zu sehen. Gestützt wird der goldene Schild von einem Hirsch (Württemberg) und dem Fabeltier Greif (Baden). Sie stehen symbolisch als Hüter und Wächter des Landes Baden-Württemberg und seiner Verfassung. In dem Schildhaupt sind sechs Wappen zu sehen. Diese werden in der Heraldik – wie die Wappenkunde auch genannt wird – nicht von vorne durchgezählt, sondern es wird in der Mitte begonnen und in so genannter springender Reihenfolge gezählt. Die sechs Wappen stehen für historisch wichtige südwestdeutsche Territorien.

Die korrekte Beschreibung, also was genau auf einem Wappen zu sehen ist, nennt man Blasonierung. Die beiden mittleren Wappen fallen auf, sie ragen über den Schildrand hinaus. Das linke in der Mitte ist das badische Wappen, in Gold ein roter Schrägbalken. Direkt rechts daneben steht das württembergische Wappen, in Gold drei übereinander liegende schwarze Hirschstangen. Dann geht es links vom badischen Wappen weiter: dort ist das „Zollernschild“, das Wappen von Hohenzollern, zu sehen, von Silber und Schwarz geviert. Rechts neben dem württembergischen Wappen folgt das der Kurpfalz, ein in Schwarz rotgekrönter goldener Löwe. Ganz links ist der rot-silber zickzack geteilte „Fränkische Rechen“ zu sehen. Er steht für das Herzogtum Ostfranken, in dem sich staufische Hausmachtsgebiete befanden. Ganz rechts in Rot ein silberner Balken: Der „Bindenschild“ Österreichs steht für die vorderösterreichischen Lande im Breisgau, an der oberen Donau, am oberen Neckar, in Oberschwaben und im Westallgäu.

Es ist übrigens Gold und nicht Gelb, weil es in der Heraldik nur vier farbstarke Grundtöne gibt: die echten Farben Rot, Blau, Grün und Schwarz. Sie treten im Wechsel mit den beiden Metallen Gold und Silber auf, die auch für Gelb und Weiß stehen können. So verlangt eine der ältesten Grundregeln, dass Wappen ohne besondere Gründe nicht mehr, aber auch nicht weniger als zwei Grundfarben aufweisen und zwar je eine echte Farbe und ein Metall.

Auch das Wappen des Landkreises Göppingen hält sich daran: In Gold eine schwarze Hirschstange und ein rot bewehrter und rot bezungter schwarzer Löwe. Der Löwe verweist auf die geschichtliche Beziehung zu den Staufern, die Hirschstange als württembergische Wappenfigur auf den Übergang des staufischen Besitzes an Württemberg.
Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, „Wunderwelt der Wappen. Geheimnisse der Heraldik auf einen Blick. Serie über die Geschichte Baden-Württembergs“ in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 04, 2008, S. 16.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

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