Dezember 29, 2008...4:23

Die eigenen Wurzeln ausgraben (1)

Die neue prisma-Serie beschäftigt sich mit Ahnenforschung, auch Genealogie genannt. In dieser und den folgenden Ausgaben erfährt derjenige, der sich mit dem Gedanken trägt, Spurensuche in der Vergangenheit zu betreiben und vielleicht einen Familienstammbaum erstellen möchte, allerlei Wissenswertes. Den Anfang machen Tipps für eine gewissenhafte Vorbereitung.

Nicht nur Pflanzen haben Wurzeln – auch immer mehr Menschen interessieren sich für ihre Wurzeln, für ihre Vergangenheit und damit auch für ihre Vorfahren. Eine Reise in die Vergangenheit ist immer auch eine Art Abenteuer, spannend und ungewiss. Denn wer hat nicht schon mal insgeheim an die reiche, kinderlose (und bisher natürlich noch unbekannte) Erbtante aus Amerika gedacht? Kommt man aus einer ehemaligen Adelsfamilie, der durch irgendwelche Schicksalsschläge das blaue Blut abgesprochen wurde? Bin ich eigentlich eine Prinzessin? Oder ein Graf? Oder war einer der Vorfahren gar ein Mörder?

Ahnenforschung gestaltet sich oft schwieriger, als wenn die Familie adlig ist. Früher wurde eine Ahnentafel als Nachweis der vornehmen Geburt benötigt, das heißt, dass mindestens acht adelige Vorfahren einer Generation vorhanden sein mussten. Somit gibt es viele adlige Stammbäume, die allerdings auch oftmals beschönigt wurden. Der einfache Bürger hatte dagegen keinen Stammbaum, und daher ist manchmal fast schon detektivischer Spürsinn für die Ahnenforscher heute nötig.

Bereits am Anfang stellt sich die Frage: Wohin mit den ganzen Daten? Während dem Datensammeln sollte man gleich von Anfang an strukturiert vorgehen, hier helfen Programme, die Daten und Bilder verwalten und grafisch aufbereiten können, weiter. Neben kostenpflichtigen Programmen wie z. B. dem FamilyTreeMaker (Windows) und MacFamilyTree (Mac) gibt es diverse kostenlose Programme, z. B. bei ahnenblatt.de oder PAF (Personal Ancestral File) bei familysearch.org, ein Programm der Mormonen (Handbuch auch auf deutsch).

Angefangen mit dem Sammeln von Daten wird im familiären Umfeld: Zu Beginn wird alles  gesammelt, was man über den Namen oder über die eigene Familie erfahren kann. Vor allem ältere Familienmitglieder sind hier sehr hilfreich, sie wissen oft noch Namen und Daten von Familienmitgliedern, die bereits lange verstorben sind. Mit etwas Glück gibt es auch noch verblichene Fotos, die so zugeordnet werden können. Auch Ariernachweise können – falls vorhanden – bei der Ahnenforschung hilfreich sein. Wichtig bei der Bestandsaufnahme sind Namen (auch Geburtsnamen), Geburtsdaten (Datum, Ort und auch die Namen der Eltern), Beruf, Religionszugehörigkeit, Hochzeiten (und evtl. Scheidungen, 2. Ehe,…), die Namen aller Kinder (und der Taufpaten) sowie die Sterbedaten (Datum, Ort, wo beerdigt). Können die Daten nicht durch schriftliche Dokumente belegt werden, sollte man sie besonders kennzeichnen und später nochmals genauer recherchieren. Es wäre schade, wenn durch eine ungenaue Erinnerung in einem falschen Familienzweig weitergeforscht werden würde.

Ahnenforschung ist nicht nur eine Sache von Wochen oder von Monaten; je tiefer man in der Vergangenheit gräbt, um so mehr Daten werden auftauchen. Aber der Aufwand lohnt sich: mit etwas Glück erfährt man nicht nur die Lebensdaten sondern auch ein bisschen mehr über die Vorfahren. Randnotizen, Zeitungsartikel, Anekdoten, vielleicht sogar Bilder können auftauchen. Oder über ein paar verschlungene Wege doch noch die Verwandtschaft zu der reichen Erbtante in Amerika.

Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Die eigenen Wurzeln ausgraben. Immer mehr Menschen betreiben Ahnenforschung.” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 06, 2008, S. 19.
Der Artikel inkl. Bilder kann hier in der Onlineversion des Heftes angesehen werden.

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