Herkunft der Namen
In fast allen Ländern der Erde ist es heute üblich, einen Vor- und einen Familiennamen zu tragen. Der Familienname kann Auskunft geben über Beruf, Heimat oder Aussehen der Vorfahren zur Zeit der Festwerdung der Familiennamen. Der Vorname, also der Rufname, ist allerdings schon etwas älter.
Bis in die germanische Zeit reicht der Brauch zurück, den Sohn durch den Namen des Vaters als zugehörig zu bezeichnen. Und bis weit ins Mittelalter hinein reichte dann auch ein Name aus: der Rufname. Das Leben spielte sich meistens in einem kleinen, überschaubaren Bereich ab und es reichte damit ein Name zur Unterscheidung. Das rasante Städtewachstum führte aber dazu, dass ein Rufname alleine eine Person nicht mehr identifizieren konnte. So wurde dann aus Hans, der hoch gewachsen war, der „Lange Hans“, oder aus Karl, der Schmied war, „Karl der Schmied“ – die Beinamen waren entstanden.
Auf Dauer waren Beinamen allerdings ungeeignet: um Landbesitz zu dokumentieren oder Steuerzahlungen festzuhalten, war es zu ungenau, die sichere Zuordnung zu einer Person war über die Dauer von Jahrzehnten nicht mehr möglich. Aus dem Beinamen wurde etwa im 12. Jahrhundert ein Familienname, wobei er nicht nur innerhalb der Familie, wie wir sie heute kennen, weitervererbt wurde: die Weitergabe des Familiennamens konnte in manchen Fällen schon auf der Grundlage eines Dienstverhältnisses erfolgen; auch die Nachfolge in einer Firma konnte zur Namensübertragung ausreichen, ohne dass eine Blutsverwandtschaft bestand oder eine Adoption stattfand.
Die Familiennamen wurden allerdings unterschiedlich gebildet: es gab z. B. die Herkunftsnamen: wer aus einer Stadt oder auch aus einem Gebiet stammte, wurde – als er in die Fremde ging – damit identifiziert. Georg, der Schwabe, Johannes aus Ulm (der Ulmer), oder Martin, der Bayer.
Gab es z. B. zwei Männer mit Namen Friedrich, konnten sie auch mit Hilfe der unterschiedlichen Väter auseinandergehalten werden, daraus entwickelten sich die Patronymischen Familiennamen: Ludwig, Herrmanns Sohn, der andere war Ludwig, Sohn von Erhardt. Daraus konnten sich dann Ludwig Herrmann und Ludwig Erhardt als Vor- und Zuname entwickeln.
Übernamen sagen etwas über den Charakter oder das Aussehen der Personen aus: Klein, Groß, Kurz, Lang, Schwarz(haarig), Jung, Alt, Kraus, …
Die häufigste Bezeichnung der Familiennamen stammt aber aus Berufsbezeichnungen. So verwundert es auch kaum, dass die 14 am Häufigsten auftretenden Familiennamen in Deutschland allesamt Berufsbezeichnungen sind: Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Weber, Meyer (ein Hausmeier war im Mittelalter ursprünglich ein Verwalter von Haus und Hof), Becker, Schulz, Hoffmann, (als Hofmann (bzw. Hoffmann) bezeichnete man einen zu einem Gehöft gehörigen bzw. dem Hof zu Diensten verpflichteten Bauern), Schäfer, Koch, Bauer und Richter.
Interessant ist auch zu schauen, wo der Name in Deutschland überall auftritt. Unter http://christoph.stoepel.net/geogen/v3/ kann man den Familiennamen eingeben und schauen, wo er überall verbreitet ist. Und vielleicht findet man ja durch den Namen zu den Wurzeln der eigenen Vergangenheit.
Veröffentlicht:
Birgit Freihalter, “Die eigenen Wurzeln ausgraben. Ahnenforschung: Herkunft der Namen.” in: prisma – Das Kundenmagazin der Kreissparkasse Göppingen, Heft 02, 2009, S. 23.
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